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SCHADENSURSACHEN
Für viele Fachleute ist die Schadensursache rasch gefunden: Schuld ist immer das Wasser, das schlechte Material oder das Alter der Rohre. Tatsächlich spielen gerade bei Schäden an jüngeren Netzen zumeist verschiedenste Faktoren zusammen, von denen viele durch vorschnelle Erklärungen unerkannt bleiben. Besonders schwer wiegt das, wenn bei sachgerechter Ursachenanalyse sich weitere Schäden mit geringstem Aufwand hätten verhindern lassen. Hierher gehören beispielsweise mangelnder Fließdruck, Erosionskorrosion, materialaggressive Biofilme an Rohr- und Dichtmaterialien, falsch gelegte Potentialausgleiche.
Wir werfen für unsere Kunden deshalb einen sehr detaillierten Blick auf die jeweilige Ursache. Aufgrund unseres täglichen Umganges mit Schadensanlage können wir häufig schon durch die sensorische Bewertung Aussagen auch zu ausgefallenen Schadensursachen treffen und (kosten-)aufwendige Analytik und Materialprüfung auf ein Minimum reduzieren.
Am sinnvollsten (aber selten!) werden wir bereits zur Schadensprävention eingeschaltet: Materialienwahl/-mischung, Wasserbehandlung, Heizwasseranalyse vor Einbau einer neuen Kesselanlage und anderes. Fachfirmen wie Planer (deren Ausbildung auf die Errichtung neuer Netze ausgerichtet ist) bieten in der Instandhaltung/Sanierung oft wenig spezifische Kenntnisse. Einige Beispiele für die Schadensgeneration von morgen sind das häufig praktizierte Erneuern von Kellerverteilungen in Edelstahlrohr wo Rost aus alten verzinkten Netzabschnitten eingeschwemmt wird, das Flickensanieren einzelner Rohre oder Wohnungsverteilungen in buntem Materialmix, der Einbau neuer Heizkessel ohne vorherige Wasser- und Netzanalysen.
Wasserschäden: Einiges aus unserem Arbeitsalltag
Klassischer Lochfraß kann neben Wasser- und Materialproblemen (mit-) verursacht sein durch mangelhaft durchgeführte Spülung vor Inbetriebnahme, Partikeleintrag aus dem öffentlichen Versorgungsnetz, zu große Rohrdimensionierungen, mangelnden Fließdruck, zögerliche Inbetriebnahme wegen Leerständen, stagnierendes Wasser, materialaggressive Biofilme in den Rohren.
Bisher noch kaum Beachtung als Schadensursache finden in der H/L/S-Branche die besondere Aggressivität von Wasser nach Durchfließen langer Kunststoffleitungen (Aufbau hoher Reibungsenergie z.B. in öffentlichen Versorgungsnetzen!) sowie zunehmend starke Rückströme auf metallischen Rohren der Hausinstallation. Immerhin wird in Fachartikeln mittlerweile darauf hingewiesen, dass durch elektromagnetische Felder induzierter Strom - etwa im Umfeld von Umwälzpumpen - Korrosionsprozesse verstärkt. Im Maschinen-bau ist diese Tatsache seit Jahrzehnten bekannt und wird in der Praxis so weit als möglich berücksichtigt. Pipelinebauer beispielsweise legen bei jedem Unterqueren von Hochspannungs-leitungen zusätzliche Erdungen.
Noch wenig Verständnis herrscht auch für Lebensformen in Wasser führenden Installa-tionen, die Materialien angreifen. Dabei nehmen nach unserer Beobachtung diese als Biofouling oder MIC (microbially influenced corrosion) bekannten Schadensursachen deutlich zu. Vermutlich sind sie deshalb noch weitgehend unbekannt, weil der analytische Nachweise schwierig ist. Einige der Spezies sind vermutlich noch gar nicht mit der Laborwissenschaft in Kontakt gekommen. Eines allerdings haben sie gemeinsam: Dort, wo sie wachsen, verändern sie lokal den pH-Wert (nachgewiesen bisher Veränderungen bis zu pH 2!), das Redoxpotential, die Konzentration an Sauerstoff und gelösten Salzen, jene Parameter also, die aus chemischer Sicht für Korrosionen verantwortlich zu machen sind. MIC bewirkt mithin keineswegs neue Korrosionsmechanismen, sondern beeinflusst die chemischen bzw. elektrochemischen Prozesse an Grenzflächen zwischen Wasser und Wasser führenden Systemen.
Wie hoch der Anteil der Mikroorganismen am Korrosionsprozess ist, lässt sich mithin oft gar nicht genau analysieren, da biotische und abiotische Effekte synergetisch ablaufen können.
Glaub-würdige Untersuchungen gehen davon aus, dass materialaggressive Keime mittlerweile bei etwa einem Viertel der Schäden an (Prozess-)wassernetzen zumindest mitverantwortlich sind. Das ist viel - insbesondere wenn man weiß, dass dem Biofouling mit vergleichsweise einfachen (nichtchemischen) Mitteln zu begegnen ist. Wird andererseits die Ursache nicht erkannt und dem Wasser Phosphat als zusätzliches Nährstoffangebot beigegeben, können sich die Schäden binnen kurzem drastisch häufen.
Oft werden Schäden begünstigt durch unsachgemäßes Mischen von Metallen: Plattentauscher aus Kupfer an Warmwassernetzen aus verzinktem Stahlrohr oder Kupferregister an Kälte-/Wärme-Kreisläufen aus Eisenguss beispielsweise werden heute noch standardmäßig verbaut. Die Praxis zeigt, dass häufig auch geschlossene Kreisläufe über genügend Sauerstoff für Korrosionsprozesse verfügen. Das oben erwähnte Erneuern von Kellerverteilungen in Edelstahlrohr, in die Rost aus alten verzinkten Netzabschnitten einzirkuliert wird, zeigt heute bereits Schäden an den neu verlegten Edelstahlrohren. Schon vergessen? Edelstahl hat zwei Erzfeinde: Chlor und Rost!
Anders als beim Lochfraß handelt es sich bei Außenkorrosion um großflächige Angriffe. Sie werden verursacht durch unsachgerechtes Verlegen (erdverlegte Leitungen, Heizrohre in Estrich usw.) oder durchfeuchtete Isolierungen. Ursache können hier defekte Be- und Entlüfter sein, Kondenswasser, undichte Flachdächer, unbeachtete Wasseraustritte an den Rohren selbst. Oft werden die Probleme von einem Netz auf das andere übertragen: Tropfende Trinkwasserleitungen durchfeuchten die Isolierungen von Heizrohren, Abwasserleitungen verursachen Außenkorrosion an Trinkwasserleitungen usw.
Besonders schwerwiegend sind Schäden, die durch frühzeitig sachgerechte Ursachenanalyse mit einfachsten Mitteln zu beheben wären. Hierzu gehören unter anderem Erosionskorrosion, Schäden an Dichtmaterialien und Rohrverbindungen durch materialaggressive Biofilme, Spannungsrisse an Formteilen aus Buntmetall sowie alle Probleme, die durch unsachgerechte Wasserbehandlung und überhöhte Wassertemperaturen verursacht sind. Im Abwasser können aggressive Reinigungsmittel vermieden werden, Enthärtungsanlagen und Biozide in vielen Kühlkreisläufen. Objekterdung und Potentialausgleiche sind zumeist mit geringem Aufwand zu verbessern - und so weiter und so fort.
Nicht selten ist es falscher Materialeinsatz, der künftige Schäden bedingt. Viele Probleme gerade der 1990er Jahre wären vermieden worden, hätten Bauherren und Planer Auskünfte über die Besonderheiten des örtlichen Versorgungswassers eingeholt und noch wenig erprobte Materialien vermieden. Trotz schöner Werbeversprechen hat nicht jede Neuheit auf dem Markt ihre Berechtigung! Schadensträchtige Mängel in der handwerklichen Ausführung waren in der Vergangenheit unter anderem falsches Löten von Kupfer, schlecht verarbeitete Gewinde bei verzinktem Stahlrohr, falsche Werkzeuge zum Verpressen von Rohren. Aktuell zeichnen sich unterlassene (oder unzureichende) Netzspülungen vor Inbetriebnahme als wesentliche Ursache künftiger Schäden ab. Billig, Billig hat seinen Preis!
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Materialprüfungen fördern mitunter
Unerwartetes zu Tage |
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| Korrosionsfreies Edelstahlrohr |
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| So weit sollte es nicht kommen |
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Materialaggressive Keime als
Schadensursache bleiben fast
immer unerkannt |
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Bei weit reichender Außenkorrosion
bleibt häufig nur der Austausch
der Rohre |
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